Manchmal gewinnt man,

Posted on September 28th, 2008

manchmal verlieren die anderen. So erging es mir auch heute wieder bei der regelmäßigen Stippvisite bei der Familie. Erst schlägt man sich den Bauch mit guter Küche von Mutters Hand zu, liegt ein wenig faul und träge auf dem Sofa rum und wartet, bis der Papa das Chaos in der Küche beseitigt hat. Man hat ja schließlich Wochenende. Und schon Tisch gedeckt. Und dann, wenn alle aus dem Mittagsdelirium erwacht sind und die Sonne draußen noch fröhlich scheint, werden die Karten auf den Tisch gepackt. Besser, die Männeln, denn für Karten wars zu windig: Rausschmeißer, oder wie ich lieber sage: Mensch, ärgere dich doch nicht…

Nach getroffener Farbwahl und der ewig dauernden Zeremonie des Würfelauslosens gehts los. Bereits nach kurzer Zeit war mein Siegeszug schon absehbar. Andere Mitspieler versuchten verzweifelt, ihre Männeln zum Mitspielen zu animieren (”AUFWACHEN”), jedoch meist erfolglos. Und so gewann ich beide Runden in höflicher Manier und ergötzte mich an den neidvollen Blicken der Beteiligten :-) .

Mein Bruder hatte unterdessen auch mein Auto fertiggeputzt (sogar mit Motor innen von Hand wienern und so!) (Und: NEIN, ich bin keine verwöhnte Göre…) und man ging nach dem Kaffee zu einer Runde Romee über. Nun gut, das Glück blieb leider nicht auf meiner Seite, aber man kann ja auch nicht immer gewinnen. Dafür kann man ordentlich rumklapsen. In die Karten gucken, Karten heimlich vom Stapel versuchen zu entwenden, mit der Fliegenklatsche wehrlose Mitspieler belästigen. Das geht dann soweit, bis die Familie sich fragt, wer da so hemmungslos in der Erziehung versagt hat. Oder besser: “Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander”.

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Symphatie und Antiphatie

Posted on September 25th, 2008

Meine Haustiere, kleine runde Bälle in Form von 4 Wellensittichen, bekamen heute Besuch für zwei Wochen. Gast-Wellensittiche, für zwei Wochen aufgrund eines Aufenthaltes der Besitzer in sonnigeren Gefilden. Als sie gebracht wurden und wir den Käfig aufstellten, herrschte Stille im Raum. Was nicht nur für die unter Sekteinfluss stehenden Zweibeiner ungewöhnlich ist, sondern noch viel sonderbarer für das Viehzeug. Kein Piepen, kein lautes Geschnatter, nichts.

Nach zehn Minuten und einer Zigarettenpause fingen alle Beteiligten langsam an, auf sich aufmerksam zu machen. Käfigtüren wurden geöffnet und die Spannung stieg ins Unermessliche. Werden sie sich vertragen? Kommen sie zurecht, wenn sie für zwei Wochen in einen neuen Käfig in einem neuen Zimmer umziehen müssen? Wer wird der Chef sein und wer das Zickchen? Wir warteten. Und warteten.

Einer der Frischlinge hielt es irgendwann doch nicht mehr aus und begab sich auf Rundflug, was meinen dicksten Ball auch dazu veranlasste, mit rumzuflattern. Nach geglückter Landung auf dem Fremdkäfig: wieder Stille. Die Partnerin der Neuankömmlinge kam auch dazu. Da saßen sie nun, drei auf dem Käfig, drei im Käfig und beäugten sich recht kritisch. Keiner wollte so recht an den anderen ran, obwohl sie sonst als recht gesellig in Handbüchern genannt werden. Naja, meine sind da wohl etwas anders.

Irgendwann neigte sich auch der Alkohol der gespannten Beobachter dem Ende, und die Ausreisenden wollten auch wieder heim zum Koffer packen, allerdings nicht ohne vorher noch sicherzustellen, dass sich die sechs auch im Käfig vertragen würden. Kurzerhand trieb man die drei Ausreißer per Hand dahin, wo sie hinsollten. Alle in einem Käfig. Alles neu, alles unbekannt. Und keine 2 Minuten später verstanden sich alle prächtig und zwitschern jetzt noch vor sich hin. Keinerlei Antiphatie, kein Futterneid, keine Eifersucht, blindes Verständnis.

Das sollte man mit uns Menschen mal versuchen. Es ist, zumindest für meine Verhältnisse, sehr unwahrscheinlich, dass unter 5 anderen Personen keine dabei ist, mit der ich nicht unbedingt zurechtkommen würde. Es gibt ja verschiedene Arten des “Sich-Verstehens”: Es gibt die, denen man einmal begegnet, die noch nichtmal etwas gesagt haben müssen, und wo man sich sehr sicher ist, dass man nie im Leben mit diesen Menschen eine Freundschaft entwickeln könnte. Ich führe schon seit längerem eine Art persönliche Fallstudie, in der ich mich und meine Einstellung zu neuen Leuten beobachte. Und bisher wurde diese erste Abneigung, wenn man sie denn entwickelt, nie revidiert. Begründetermaßen.

Dann gibt es noch die Leute, denen man nie privates erzählen würde, aber mit denen man so auskommen kann. Für einen Smalltalk auf Arbeit, in der Mensa oder wenn man sie zufällig auf der Damentoilette trifft.

Die nächste Stufe erreichen Leute, mit denen man sich wirklich gut versteht, mit denen man etwas unternimmt, die man zu Geburtstagen besucht, um die man sich sorgt und mit denen man sich freut. Aber: keine dieser Personen wird Zugang zu dem ganzen Menschen erhalten. Es gibt immer Details, die man ausgewählten Personen mitteilt, aber eine einzelne Person dieser Gruppe wird nie alles erfahren. Ist auch nicht notwendig, wenn man sich normal gut versteht.

Und dann gibt es die elitäre Gruppe. Sie besteht aus wenigen Menschen, es sind nur ein-zwei, mehr können es gar nicht sein. Das sind Menschen, die trifft man, die lernt man kennen, und man versteht sich blind mit ihnen. Man weiß sofort, dass der Gegenüber in die elitäre Gruppe gehört. Es sind die Leute, denen man alles erzählt, die einem die Stimmung an den Augen, an den Gesten oder an der Stimme ablesen können, es sind die Leute, denen man alles anvertrauen kann und sich damit völlig ausliefert. Es sind die Menschen, für die man Berge versetzen kann, für die man zu jeder Tages- und Nachtzeit einsatzbereit ist, es sind die Menschen, die hinter die Fassade blicken können. Es sind die Menschen, die ein Loch hinterlassen, wenn sie nicht da sind.

Wer entscheidet eigentlich darüber, wen wir symphatisch finden und wen nicht? Wieso hat man so wenig Einfluss darauf? Wer ist dafür zuständig, Anziehung zu verteilen und wer sorgt dafür, dass sich die richtigen Menschen über den Weg laufen? Ich darf zwei solcher Menschen zu meinem Kreis zählen. Beide lernte ich durch unglaubliche Zufälle kennen, beide Male wäre es fast nicht dazu gekommen, dass ich sie jemals getroffen hätte. Wenn es diese Zufälle nicht gegeben hätte, wie wäre mein Leben heute? Würden sie mir fehlen, obwohl ich sie nie getroffen habe? Wer wäre an ihrer statt in meinem Kreis?

Da haben es Wellensittiche viel leichter, indem sie einfach gezwungen werden, sich zu verstehen. Zu sechst auf einem Quadratmeter muss man das wahrscheinlich auch, um Mord und Totschlag aus dem Weg zu gehen.

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Musik

Posted on September 21st, 2008

Es gibt Lieder, die unweigerlich mit Erinnerungen verbunden sind. Nicht nur mir dürfte es bekannt sein, wenn man im Radio oder in einer Bar ein Lied von früher hört, aus der Schulzeit z.B., und damit ein gewisses Alter verbindet, in dem man war. Das Lied reiht sich ein in eine Zeitspanne, in der man es immer wieder hörte, und das Lied spiegelt eine Epoche des Lebens wieder. Meist gehören dazu mehrere Songs, die alle mit denselben Bildern, mit einem Lebensstil, verbunden werden.

Und dann gibt es noch die andere Sorte Lieder. Die, die einem unvergessliche, detaillierte Momente in den Kopf projeziert. Gefühle, Situationen, Einzigartiges, Sehnsüchte, sogar Gerüche. Ich stolperte soeben über ein solches Lied und war völlig geplättet, wie haarklein es jedes noch so kleine Detail in meine Erinnerung zurückgeholt hat. Ich fühlte, was ich damals fühlte, als ich es hörte, ich sah, was ich damals sah, als es lief, ich roch, was damals in meine Nase stieg, als die Melodie einen gefangen nahm. Und leider lässt auch der Schmerz nicht nach, den man mit solchen Liedern oft verbindet. Ob es auch möglich ist, dass Lieder Freude speichern können? Oder ist Freude kurzlebiger als Schmerz, brennt sich nicht so ein?

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