Autos sind komische Wesen
Posted on November 19th, 2008
Das wird mir bestimmt jeder bestätigen, der schon längere Zeit ein und dasselbe Vehikelchen besitzt. Manchmal liegts auch am Besitzer, dass die eine oder andere Macke zu Tage tritt. Glaub ich aber nich, dass das in meinem Fall so ist, wirklich nicht..
Ich fuhr heut gut gelaunter Dinge und in freudiger Erwartung zu einem Arztbesuch, das Auto war noch lauwarm von der Mittagsausfahrt, ich wollte an der Ampel anhalten, ratatatatat. Bremse. Super. Fühlte sich so an, als würde mein ABS anspringen, was bei völliger Trockenheit und Plusgraden und überhaupt total ausgeschlossen sein müsste. War aber zum Glück nur bei diesem einen Bremsversuch, Problem scheint sich also von selber erledigt zu haben.
Dass mein Auspuff komische Geräusche macht, ist ja nun weitläufig bekannt. Aber wenn man erstmal weiß, dass der früher oder später irre laut wird, weil man verpennt hat, ihn rechtzeitig auszuwechseln, bildet man sich auch ne Menge Geräusche ein. Also ich denke ja, der wird von Tag zu Tag lauter. Nach meinem Empfinden fällt der morgen ab und ich darf die Einzelteile von irgendner Straße aufsammeln. Aber gut. Das Risiko geh ich ein.
Und denn, gestern, es war schon etwas frisch als ich ins Auto stieg (womit wir bei den gefühlten -20 Grad wären), empfand ich meine Frontscheibe als etwas schmuddelig. Da haben sich die Autobauer ja was bei gedacht, als die diese Spritzanlage einbauten. Man muss sie nur mal benutzen. Tat ich. War keine gute Idee, denn der Rotz ist mir natürlich sofort auf der Scheibe gefroren. Schöne viele Eisblumen, die sich da in einem irren Tempo ihren Weg über die Scheibe bahnen. Macht ja nix, ein bisschen was hab ich ja noch gesehen. Dennoch muss ich sagen, dass mein Bruder sehr schlampig war, als der das Wasser auffüllte. Kein Frostschutz reingetan. Wäre eigentlich eine kleine Rüge wert. Und da der Tank nun voll war und ich daher kein Frostschutz nachkippen konnte, den ich sowieso nicht dagehabt hätte, fuhr ich den lieben langen Tag Wasser spritzend durch die Gegend, um diesen Tank leer zu bekommen. Wird noch ne Weile dauern.
Und dann, das schlimmste überhaupt. Das wichtigste Teil am Fahrzeug überhaupt sponn heut auch rum. Meine geliebte Hupe. Für all die lahmen Wagenschieber und Autotrager vor mir, für die spontanen Spurwechsler, obwohl ich direkt neben denen bin, für die an der Ampel nicht los-Fahrer. Ich hupte wie verrückt, weil ein LKW vor mir das Grünsignal absolut stur ignorierte. Ich ließ die Hupe dann auch wieder los, man will sich ja nicht mit den Menschen anlegen, die einem dem Weg versperren, man will ja nur freundlich darauf hinweisen, dass man nun doch so langsam mal den Gang einwerfen und die Kiste in Bewegung setzen könnte. Also ich ließ die Hupe los. Aber es hupte weiter. Ohne mein Zutun. Ist ja prinzipiell nicht verkehrt, eine selbstdenkende Hupe, aber wenn die meinen Anweisungen nicht gehorcht, ist das schon kurios. Verklemmt hatte sichs, der Knopf zum drücken. Prima. Daraufhin fing ich mir natürlich das Zurückhupen des LKW-Fahrers und einen bösen Blick ein.
Aber wie man sieht, kann ich als Fahrer überhaupt gar nichts für diese Kuriositäten. Aber wie der Herre…. Und ein bisschen Persönlichkeit steckt ja doch drin, zumindest in meinem Wagen.
Tags: Auto
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Gereizt
Posted on November 12th, 2008
ist wohl eine nette Umschreibung für meine heutige Grundstimmung. Ich versteh gar nicht warum, ich hab ausgeschlafen, mein Tag verlief eigentlich ohne größere Zwischenfälle, aber dennoch fühlte es sich schon die ganze Zeit so an, als ob man endlich dringend schreiend im Kreis laufen muss. Ich hab mich natürlich beherrscht.
Und weil man an solchen Tagen auch nicht einfach nach der Arbeit nach Hause gehen kann, um sich dort abzureagieren, muss man unbedingt einkaufen fahren. Aber nicht schön shoppen, sondern total nervig Essen kaufen. Das ist das Schlimmste überhaupt. Man denkt, abends um sieben ist nicht mehr so viel los, da hat man eigentlich auch recht damit, aber dafür meinen die Im-Weg-Rumsteher und Einkaufswagen-mitten-vor-einem-Stehenlasser dafür, alle geballt aufzutauchen. Vor allem dann, wenn man es total eilig hat. Man hetzt also gestresst durch den Supermarkt, um es schnell hinter sich zu bringen, und da sind sie. Wie aus dem Nichts tauchen sie vor dir auf, versperren dir den Weg, bummeln gemütlich vor dir hin, und wenn du links zum Überholen ansetzt, entdecken sie natürlich prompt links in dem Regal was toooooootal interessantes. Hat man den ersten hinter sich gelassen, taucht sogleich der zweite auf. Und so geht das, bis man sich zur Kasse vorgewühlt hat.
Dort angekommen erwischt man natürlich mit 100%iger Sicherheit die Kasse mit der absolut langsamsten Kassiererin. Man bewahrt Ruhe und Fassung, zahlt den völlig überhöhten Betrag stillschweigend, schmeißt das Zeug ins Auto und will das Parkhaus (5. Stock) möglichst zügig verlassen. Nichts da, die Wagenschieber haben sich auch in ihr Auto begeben und bummeln jetzt schön in ihrem feinen A6 vor dir her, steigen aus, um ihr Auto um die breiteste Kurve zu tragen, bleiben exakt bis 5m vor der Ampel auf deiner Spur, um sich dann doch noch umzuentscheiden und auf die Nachbarspur zu wechseln. Geschafft. Nichts wie heim.
Und was blüht einem dann? Als armes, kleines, gereiztes Blümchen muss man dann seine 3 gestopften Tüten hochschleppen. 3. Stock, kein Fahrstuhl, klar. Inhalt der Tüten: möglichst viel Zeug mit möglichst viel Gewicht, also z.b. eine geschätzte Tonne Vogelfutter, zwei geschätzte Tonnen Vogelsand, zwei Kilöchen Orangen und so weiter. Nein, der Henkel der Tüte ist zum Glück nicht gerissen. Dafür lauern im Haus noch andere Tücken. Die Eingangstür, die man mit einer halben Hand nie aufbekommt und dafür jedesmal kurz und klein schlagen könnte und das Hauslicht, was exakt immer dann ausgeht, wenn man fast oben ist, aber noch genau die halbe Treppe im Dunkeln vor sich hat.
An solchen Abenden bleibt nur eins, Sekt in den Hals stellen, und davon möglichst viel. Prost.
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Vor zwanzig Jahren
Posted on November 7th, 2008
In letzter Zeit passiert es immer häufiger, dass man an Dinge erinnert wird, die in der Kindheit passiert sind, Dinge, mit denen man gespielt hat, Gefühle, die man als Kind in bestimmten Situationen hatte. So zum Beispiel wurde die Erinnerung in mir wachgerüttelt, dass ich noch nie ein richtiges Mädel war (also ich bin schon eins, mit allem was dazugehört, mittlerweile trag ich sogar rosa, aber ich zähl mich eher zu den draufgängerischen und vorlauten Gören als zu den lieben, artigen, mit Puppen spielenden und nett lächelnden Quastenköpfe), noch nie mit Puppen gespielt habe, eher mit diesen lustigen Metallbaukästen, die es früher bei uns gab. Zum Großteil bestand er aus Metallschienen und Schrauben, die man mit etwas Glück zu einem Gebäude oder Fahrzeug zusammenbasteln konnte. Mit etwas Glück oder mit einer entsprechenden Anleitung. Und dann gab es auch noch die Chemiebaukästen, mit den lustigen kleinen Magnetsplittern, die im Glas gefangen waren, und die man mit einem anderen Magneten hin- und herzerren konnte. Nicht zu vergessen sind die Matchbox-Autos. Mein Lieblingsauto war ein blauer Ford Scorpio (damals waren mir die Tücken der Fords noch nicht geläufig) und ich beharrte darauf, dass ich später genau dieses Auto haben werde. “Nein Kind, bis du Auto fahren kannst, gibt es schon den x-ten Nachfolger”, meinte die Mutter. Doch das Kind blieb der festen Überzeugung, das es genau dieses Auto kaufen wird.
Als Kind ist man so unerschütterlich in seinen Überzeugungen. Als Kind hat man aber auch den ganzen Tag nichts besseres zu tun, als sich zu überlegen, was man wohl als nächstes anstellen könnte, auf welchem Asphalt man als nächstes Hautfetzen welches Körperteiles vom Hinknallen verteilen kann, welche Poster am besten an der Wand neben dem Bett wirken, wie man es anstellt, dass der eigene Bruder zur Adoption freigegeben wird, weil er wieder unausstehlich ist. Man lebt einfach in den Tag hinein, ohne Gedanken an morgen oder gestern zu verschwenden. Mit jedem Jahr jedoch, dass man älter wird, kommen neue Erfahrungen hinzu, gute und schlechte. Man erfährt, dass bei Ford grundsätzlich der Auspuff abfällt, man erfährt, dass Hinknallen so wehtun kann, dass man es Jahre danach noch zu spüren bekommt, man erfährt, dass die Menschen auf dem Poster einem nichts bieten können, außer einem den ganzen Tag hinterherzusehen und ihren Blick auf einen zu richten, man lernt seinen Bruder zu schätzen, mit all den Macken, die er an den Tag legen kann. Man verändert sich, mit dem Alter und mit den Erfahrungen. Und man beginnt zu vergessen. Bis eines Tages die vergessenen Erinnerungen wieder ins Gedächtnis gerufen werfen und man sich nach der unbeschwerten Zeit zurücksehnt.
Tags: Kindheit
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