ZDF History

Posted on Februar 16th, 2009

Eine wunderschöne kleine Geschichte, die das Leben schreibt, kam gerade bei ZDF History. Es ging um die Zeit kurz nach Kriegsende, als die Besatzungsmächte in Deutschland stationierten. In den meisten Gebieten waren Liebesbeziehungen zwischen deutschen Frauen und Soldaten verboten. Bei den russischen Soldaten konnte es anfangs vom Vorgesetzten entschieden werden. Iwan Bywschich kam im Sommer 1945 als Kommandant in ein Dorf in Thüringen und lernte dort Elisabeth Waldhelm kennen. Er verliebte sich sofort in sie, er wusste noch heute, wie es sich anfühlte, als ihn eine Locke von ihr das erste Mal berührte, er wusste noch genau, wie er ihr den ersten zögerlichen Kuss auf die Wange gab.

Mittlerweile nahm die Zahl die Verliebten stetig zu und Russland fürchtete sich vor westlichen Einflüssen und untersagte ab 1947 jeglichen privaten Beziehungen unter strenger Strafe. Und so wird auch Iwan gezwungen, zurück nach Russland zu fahren, als seine Liebe bekannt wird. Sie schreiben sich Briefe, bleiben so in Kontakt, als auch Lisa nach Westdeutschland zieht. Der KGB liest die Briefe mit, duldet es zehn Jahre, bis sie sich bei Iwan melden und die Liebesbeziehung per Post verbieten. Er wird gezwungen, Lisa zu schreiben, er sei verheirtet, habe schon ein Kind. Für sie war das ein Schlag ins Gesicht und auch das letzte, was sie von ihm hörte.  Die große Liebe ihres Lebens so unerwartet zu verlieren, ohne Hoffnung, mit dem Schmerz allein.

Als der Eiserne Vorhang fällt, begibt sich Iwan auf die Suche. Er spürt sie in Luxemburg auf, nimmt den Kontakt zu ihr sofort wieder auf. Lisa zögert keine Sekunde, fliegt zu ihm nach Sibirien. Ihre Liebe hat nicht gelitten und den 60 Jahren der Trennung, sie heirateten. Mit 82 Jahren haben Lisa und Iwan endlich ihre große Liebe zurück und können nun anfangen, das Leben zu leben, von dem sie immer geträumt hatten.

Wie schmerzhaft ist schon die Vorstellung, einen geliebten Menschen so zu verlieren, 60 Jahre lang zu grübeln, 60 Jahre lang mit dem Wissen zu leben, dass das die schönste Zeit seines Lebens war. Umso schöner war es, sie jetzt zu sehen, wie sie sich nach der langen Zeit genießen und einfach glücklich sind.

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Vor zwanzig Jahren

Posted on November 7th, 2008

In letzter Zeit passiert es immer häufiger, dass man an Dinge erinnert wird, die in der Kindheit passiert sind, Dinge, mit denen man gespielt hat, Gefühle, die man als Kind in bestimmten Situationen hatte. So zum Beispiel wurde die Erinnerung in mir wachgerüttelt, dass ich noch nie ein richtiges Mädel war (also ich bin schon eins, mit allem was dazugehört, mittlerweile trag ich sogar rosa, aber ich zähl mich eher zu den draufgängerischen und vorlauten Gören als zu den lieben, artigen, mit Puppen spielenden und nett lächelnden Quastenköpfe), noch nie mit Puppen gespielt habe, eher mit diesen lustigen Metallbaukästen, die es früher bei uns gab. Zum Großteil bestand er aus Metallschienen und Schrauben, die man mit etwas Glück zu einem Gebäude oder Fahrzeug zusammenbasteln konnte. Mit etwas Glück oder mit einer entsprechenden Anleitung. Und dann gab es auch noch die Chemiebaukästen, mit den lustigen kleinen Magnetsplittern, die im Glas gefangen waren, und die man mit einem anderen Magneten hin- und herzerren konnte. Nicht zu vergessen sind die Matchbox-Autos. Mein Lieblingsauto war ein blauer Ford Scorpio (damals waren mir die Tücken der Fords noch nicht geläufig) und ich beharrte darauf, dass ich später genau dieses Auto haben werde. “Nein Kind, bis du Auto fahren kannst, gibt es schon den x-ten Nachfolger”, meinte die Mutter. Doch das Kind blieb der festen Überzeugung, das es genau dieses Auto kaufen wird.

Als Kind ist man so unerschütterlich in seinen Überzeugungen. Als Kind hat man aber auch den ganzen Tag nichts besseres zu tun, als sich zu überlegen, was man wohl als nächstes anstellen könnte, auf welchem Asphalt man als nächstes Hautfetzen welches Körperteiles vom Hinknallen verteilen kann, welche Poster am besten an der Wand neben dem Bett wirken, wie man es anstellt, dass der eigene Bruder zur Adoption freigegeben wird, weil er wieder unausstehlich ist. Man lebt einfach in den Tag hinein, ohne Gedanken an morgen oder gestern zu verschwenden. Mit jedem Jahr jedoch, dass man älter wird, kommen neue Erfahrungen hinzu, gute und schlechte. Man erfährt, dass bei Ford grundsätzlich der Auspuff abfällt, man erfährt, dass Hinknallen so wehtun kann, dass man es Jahre danach noch zu spüren bekommt, man erfährt, dass die Menschen auf dem Poster einem nichts bieten können, außer einem den ganzen Tag hinterherzusehen und ihren Blick auf einen zu richten, man lernt seinen Bruder zu schätzen, mit all den Macken, die er an den Tag legen kann. Man verändert sich, mit dem Alter und mit den Erfahrungen. Und man beginnt zu vergessen. Bis eines Tages die vergessenen Erinnerungen wieder ins Gedächtnis gerufen werfen und man sich nach der unbeschwerten Zeit zurücksehnt.

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Musik

Posted on September 21st, 2008

Es gibt Lieder, die unweigerlich mit Erinnerungen verbunden sind. Nicht nur mir dürfte es bekannt sein, wenn man im Radio oder in einer Bar ein Lied von früher hört, aus der Schulzeit z.B., und damit ein gewisses Alter verbindet, in dem man war. Das Lied reiht sich ein in eine Zeitspanne, in der man es immer wieder hörte, und das Lied spiegelt eine Epoche des Lebens wieder. Meist gehören dazu mehrere Songs, die alle mit denselben Bildern, mit einem Lebensstil, verbunden werden.

Und dann gibt es noch die andere Sorte Lieder. Die, die einem unvergessliche, detaillierte Momente in den Kopf projeziert. Gefühle, Situationen, Einzigartiges, Sehnsüchte, sogar Gerüche. Ich stolperte soeben über ein solches Lied und war völlig geplättet, wie haarklein es jedes noch so kleine Detail in meine Erinnerung zurückgeholt hat. Ich fühlte, was ich damals fühlte, als ich es hörte, ich sah, was ich damals sah, als es lief, ich roch, was damals in meine Nase stieg, als die Melodie einen gefangen nahm. Und leider lässt auch der Schmerz nicht nach, den man mit solchen Liedern oft verbindet. Ob es auch möglich ist, dass Lieder Freude speichern können? Oder ist Freude kurzlebiger als Schmerz, brennt sich nicht so ein?

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