Vor zwanzig Jahren
Posted on November 7th, 2008
In letzter Zeit passiert es immer häufiger, dass man an Dinge erinnert wird, die in der Kindheit passiert sind, Dinge, mit denen man gespielt hat, Gefühle, die man als Kind in bestimmten Situationen hatte. So zum Beispiel wurde die Erinnerung in mir wachgerüttelt, dass ich noch nie ein richtiges Mädel war (also ich bin schon eins, mit allem was dazugehört, mittlerweile trag ich sogar rosa, aber ich zähl mich eher zu den draufgängerischen und vorlauten Gören als zu den lieben, artigen, mit Puppen spielenden und nett lächelnden Quastenköpfe), noch nie mit Puppen gespielt habe, eher mit diesen lustigen Metallbaukästen, die es früher bei uns gab. Zum Großteil bestand er aus Metallschienen und Schrauben, die man mit etwas Glück zu einem Gebäude oder Fahrzeug zusammenbasteln konnte. Mit etwas Glück oder mit einer entsprechenden Anleitung. Und dann gab es auch noch die Chemiebaukästen, mit den lustigen kleinen Magnetsplittern, die im Glas gefangen waren, und die man mit einem anderen Magneten hin- und herzerren konnte. Nicht zu vergessen sind die Matchbox-Autos. Mein Lieblingsauto war ein blauer Ford Scorpio (damals waren mir die Tücken der Fords noch nicht geläufig) und ich beharrte darauf, dass ich später genau dieses Auto haben werde. “Nein Kind, bis du Auto fahren kannst, gibt es schon den x-ten Nachfolger”, meinte die Mutter. Doch das Kind blieb der festen Überzeugung, das es genau dieses Auto kaufen wird.
Als Kind ist man so unerschütterlich in seinen Überzeugungen. Als Kind hat man aber auch den ganzen Tag nichts besseres zu tun, als sich zu überlegen, was man wohl als nächstes anstellen könnte, auf welchem Asphalt man als nächstes Hautfetzen welches Körperteiles vom Hinknallen verteilen kann, welche Poster am besten an der Wand neben dem Bett wirken, wie man es anstellt, dass der eigene Bruder zur Adoption freigegeben wird, weil er wieder unausstehlich ist. Man lebt einfach in den Tag hinein, ohne Gedanken an morgen oder gestern zu verschwenden. Mit jedem Jahr jedoch, dass man älter wird, kommen neue Erfahrungen hinzu, gute und schlechte. Man erfährt, dass bei Ford grundsätzlich der Auspuff abfällt, man erfährt, dass Hinknallen so wehtun kann, dass man es Jahre danach noch zu spüren bekommt, man erfährt, dass die Menschen auf dem Poster einem nichts bieten können, außer einem den ganzen Tag hinterherzusehen und ihren Blick auf einen zu richten, man lernt seinen Bruder zu schätzen, mit all den Macken, die er an den Tag legen kann. Man verändert sich, mit dem Alter und mit den Erfahrungen. Und man beginnt zu vergessen. Bis eines Tages die vergessenen Erinnerungen wieder ins Gedächtnis gerufen werfen und man sich nach der unbeschwerten Zeit zurücksehnt.
Tags: Kindheit
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