Die Post

Posted on Dezember 31st, 2008

Die deutsche Post in den schillernden Farben Gelb und Schwarz ist doch ab und an einen Besuch wert. Zumindest dann, wenn man Gelb vor Neid werden will auf die zwanzig Menschlein, die es irgendwie geschafft haben, vor einem an der Reihe zu sein, und wenn man sich Schwarz ärgern will über eine Ansammlung an charakteristischen Eigenschaften, über die wohl jede Postfrau hinterm Schalter verfügt. Zumindest jede, auf die ich in der Weihnachtszeit treffen musste. Und ich wollte nicht. Wirklich nicht.

Wie dem auch sein, zurück zum Anfang. Ich musste jedenfalls am 24.12. zur Post, im Auftrag des Brötchenlieferanten, damit ja alle Geschenke noch rausgehen und die glücklichen Empfänger ein paar Tage später darüber herfallen dürfen. Gesagt, getan. Ich rief am 23. natürlich vorschriftsmäßig vorher an, kämpfte mich durch Hotlines, weil die Nummer der einzelnen Filiale geschweige gesonderte Öffnungszeiten über Weihnachten auch im www nicht herauszufinden waren, und stellte dann die alles entscheidende Frage: Wie lange hat denn die Post morgen geöffnet? “Na, die meisten Filialen bis 12.00 Uhr.” Ok, prima, danke, reicht mir, danach muss ich eh weg. Essen. Bei Mutti.

Also packten wir am 24. Päckchen und tingelten gegen 11 auf zur Post. 1 Minute nach 11 standen wir da: vor verschlossener Tür. Gut, also gehört unsere Filiale wahrscheinlich nicht zu den “meisten”. Glücklicherweise waren noch nicht alle Kunden draußen, sodass es uns durch Bitten und Betteln und unter Tränen gelang, auf unser Anliegen aufmerksam zu machen. Und Tatsache: man ließ uns noch herein. Wie nett. Wirklich jetzt. Aber was dann geschah. Wir hatten u.a. auch ein Paket dabei. Führte dazu, dass wir noch Formulare ausfüllen mussten, den Absender draufschreiben mussten etc. pipabo. Was die gute Frau hinterm Schalter doch sehr unter Stress setzte. “Der Fahrer, der is bestimmt nicht mehr da. Der Fahrer ist bestimmt schon weg. Wie sollen wir das nur schaffen…” Die andere gelb-schwarze-Person kämpfte unterdessen mit der Tür, genauer: mit Kundschaft hinter der verschlossenen Tür, die auch “nur noch schnell das eine Paket” abgeben wollten.”Nee, das schaffen wir heut nicht mehr. Nee, der Fahrer ist doch schon weg. Wir wollen auch mal nach Hause (es war erst um 11 Uhr, früh, wie gesagt…) Wir können das nicht mehr…” Und das alles in einer derart weinerlichen Stimme, dass ich fürchtete, die Frau würde gleich von einem Heulkrampf geschüttelt. Aber sie fing sich wieder: “Giiiiisssseeeeeelaaaaaaa? Jetzt nicht mehr ne?” und Gisela schrie zurück: “Nee, der Fahrer, schaffen wir nicht mehr, is doch alles schon aus hier…” Die arme Kundschaft wurde also unsanft gebeten, doch wieder von dannen zu ziehen.

Ich bekam jedenfalls meine Päckchen noch los, um mich gestern nochmal dahinzubegeben und die letzten Päckchen auch noch auf große Reise zu schicken. Wieder 20 Mann vor mir. Wie gesagt, man gewöhnt sich an alles. Ich war nicht sonderlich gut drauf und beobachtete das Geschehen. Am linken Schalter: Die Frau von der Postbank, die herrliche Postbankkunden bediente.  Man kann sich ja mal in der PIN vertun, es kann vielleicht auch passieren, dass man sie dreimal nacheinander falsch eingibt. Aber bitte, wie verflixt nochmal geht es, dass ZWEI Postbankkunden nacheinander dreimal die falsche PIN eingeben??? Und jedesmal musste die Schalterfrau anrufen, Ausweis verlangen, ewige Prozedur. Die zweite Kundin war sogar so köstlich, dass sie nach dem dritten falschen Versuch die Zahlen in unterschiedlicher Reihenfolge LAUT vor sich hersagte. Sehr geil. Und als die Postbankschalterfrau dann aufs Konto durfte, konnte sie leider nur noch dessen Tod feststellen. Es war nämlich leer und die Frau hat sich völlig umsonst die Karte sperren lassen. Meine Laune besserte sich mit jeder Sekunde :-)

Tja und irgendwann war ich dann dran, füllte wieder Formulare aus, bezahlte artig und hoffte inständig, dass es wenigstens für dieses Jahr das letzte mal sein würde, dass ich meinen gelb-schwarzen Post(bank)schalterfrauen einen schönen Tag wünschen musste.

Der geneigten Leserschaft wünscht das Klebtier mit ganzem Herzen einen guten Rutsch und einen fantastischen Start in das neue Jahr 2009!

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Gereizt

Posted on November 12th, 2008

ist wohl eine nette Umschreibung für meine heutige Grundstimmung. Ich versteh gar nicht warum, ich hab ausgeschlafen, mein Tag verlief eigentlich ohne größere Zwischenfälle, aber dennoch fühlte es sich schon die ganze Zeit so an, als ob man endlich dringend schreiend im Kreis laufen muss. Ich hab mich natürlich beherrscht.

Und weil man an solchen Tagen auch nicht einfach nach der Arbeit nach Hause gehen kann, um sich dort abzureagieren, muss man unbedingt einkaufen fahren. Aber nicht schön shoppen, sondern total nervig Essen kaufen. Das ist das Schlimmste überhaupt. Man denkt, abends um sieben ist nicht mehr so viel los, da hat man eigentlich auch recht damit, aber dafür meinen die Im-Weg-Rumsteher und Einkaufswagen-mitten-vor-einem-Stehenlasser dafür, alle geballt aufzutauchen. Vor allem dann, wenn man es total eilig hat. Man hetzt also gestresst durch den Supermarkt, um es schnell hinter sich zu bringen, und da sind sie. Wie aus dem Nichts tauchen sie vor dir auf, versperren dir den Weg, bummeln gemütlich vor dir hin, und wenn du links zum Überholen ansetzt, entdecken sie natürlich prompt links in dem Regal was toooooootal interessantes. Hat man den ersten hinter sich gelassen, taucht sogleich der zweite auf. Und so geht das, bis man sich zur Kasse vorgewühlt hat.

Dort angekommen erwischt man natürlich mit 100%iger Sicherheit die Kasse mit der absolut langsamsten Kassiererin. Man bewahrt Ruhe und Fassung, zahlt den völlig überhöhten Betrag stillschweigend, schmeißt das Zeug ins Auto und will das Parkhaus (5. Stock) möglichst zügig verlassen. Nichts da, die Wagenschieber haben sich auch in ihr Auto begeben und bummeln jetzt schön in ihrem feinen A6 vor dir her, steigen aus, um ihr Auto um die breiteste Kurve zu tragen, bleiben exakt bis 5m vor der Ampel auf deiner Spur, um sich dann doch noch umzuentscheiden und auf die Nachbarspur zu wechseln. Geschafft. Nichts wie heim.

Und was blüht einem dann? Als armes, kleines, gereiztes Blümchen muss man dann seine 3 gestopften Tüten hochschleppen. 3. Stock, kein Fahrstuhl, klar. Inhalt der Tüten: möglichst viel Zeug mit möglichst viel Gewicht, also z.b. eine geschätzte Tonne Vogelfutter, zwei geschätzte Tonnen Vogelsand, zwei Kilöchen Orangen und so weiter. Nein, der Henkel der Tüte ist zum Glück nicht gerissen. Dafür lauern im Haus noch andere Tücken. Die Eingangstür, die man mit einer halben Hand nie aufbekommt und dafür jedesmal kurz und klein schlagen könnte und das Hauslicht, was exakt immer dann ausgeht, wenn man fast oben ist, aber noch genau die halbe Treppe im Dunkeln vor sich hat.

An solchen Abenden bleibt nur eins, Sekt in den Hals stellen, und davon möglichst viel. Prost.

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